Lebenselixier Muttermilch – Stillen in Deutschland
04.05.2011
Muttermilch ist die beste Nahrung für Säuglinge: Mütter sollten das erste halbe Jahr – mindestens bis zum Beginn des 5. Monats ausschließlich – und nach der Einführung der Beikost weiter stillen, so die Empfehlung des Netzwerks „Gesund ins Leben“.
„Es gibt ein geeignetes Zeitfenster für ausschließliches Stillen: In der Zeit zwischen dem fünften und siebten Monat sollte mit der Beikost begonnen werden“, sagt Maria Flothkötter, Projektleiterin des Netzwerk „Gesund ins Leben“. „Wichtig bleibt aber, dass die Mutter das Kind weiter stillt – soweit dies möglich ist.“ Eine Studie aus Bayern zeigt jedoch (Rebhan et al, 2008), dass nur 52 Prozent der Kinder im 6. Monat überhaupt gestillt werden. Über die Hälfte aller Säuglinge werden bereits im zweiten Monat nicht mehr voll mit der Brust ernährt (siehe Grafik). „Angesichts der positiven Effekte der Muttermilch gilt es weiterhin, Stillen für Mutter und Kind zu propagieren“, so Flothkötter.
Das vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz geförderte Netzwerk „Gesund ins Leben“ verfolgt das Ziel, werdenden Eltern und jungen Familien alltagsnahe und fundierte Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil zu vermitteln. Ernährungserziehung und -bildung sollten so früh wie möglich beginnen, um den aktuellen Trend der Fehlernährung, Übergewicht und Allergien zu stoppen bzw. im besten Falle umzukehren.
Stillen ist mit einem geringeren Risiko für SIDS („sudden infant death syndrome“ - plötzlicher Kindstod) verbunden. Laut Ernährungsbericht 2008 reduziert Muttermilch das Risiko für späteres Übergewicht. Zudem zeigt eine Metaanalyse von Akobeng, die 2006 in den Archives of Disease Childhood veröffentlicht wurde, ein vermindertes Risiko für Zöliakie, wenn glutenhaltiges Getreide mit der Beikost langsam eingeführt wird, so lange noch gestillt wird. Wann genau der richtige Zeitpunkt für die erste Beikost ist, hängt individuell vom Kind ab. Reifezeichen können sein, dass das Baby sich verstärkt dafür interessiert, was andere essen oder das Baby sich eigenständig Dinge in den Mund steckt. Zudem sollte das Kind den Brei nicht wieder mit der Zunge herausdrücken. Flothkötter sagt: „Generell sollten Eltern die Geduld nicht verlieren, wenn dem Baby die Umstellung sehr schwer fällt – vielleicht ist es dann noch nicht reif für diesen Schritt. Hier hilft oft eine Fütterpause von 1 bis 2 Wochen, um es danach erneut zu versuchen.“
Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ formuliert Empfehlungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse für eine ausgewogene Ernährung und zur Allergieprävention. Diese Handlungsempfehlungen werden von allen einschlägigen Fachgesellschaften, Institutionen und Verbänden in Deutschland mitgetragen und erarbeitet. Kernaussagen zum Thema Stillen:
- Die Zusammensetzung der Muttermilch ist an die kindlichen Bedürfnisse angepasst und die Milch liefert dem Baby die für Wachstum und gesunde Entwicklung wichtigen Nährstoffe.
- Muttermilch ist hygienisch einwandfrei und richtig temperiert. Sie ist praktisch, weil immer verfügbar - sie kostet nichts.
- Stillen senkt das Risiko für Durchfall, Mittelohrentzündung und späteres Übergewicht beim Kind.
- Stillen wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Mutter aus. Stillen kann die Uterusrückbildung nach der Geburt fördern und zur Risikominderung für Brust- und Eierstockkrebs beitragen.
- Stillen fördert die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind.
Die Handlungsempfehlungen zum Download.
Damit das Stillen von Anfang an gut klappt, sollten sich stillende Mütter von StillexpertInnen unterstützen lassen, z.B. von einer Hebamme oder Stillberaterin. Dadurch lässt sich die Erfolgsquote beim Stillen deutlich steigern.
Weitere Informationen unter: www.gesund-ins-leben.de
Literatur
Akobeng AK, Ramanan AV, Buchan I, Heller RF (2006) Effect of breast feeding on risk of coeliac disease: a systemativ review and meta-analysis of observational studies. Arch Dis Child 91 (1): 39-43
Ernährungsbericht 2008, Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., Bonn
Rebhan B, Kohlhuber M, Schwegler U et al (2008) Breast feeding, frequency and problems – results of the Bavarian breast-feeding study. Gesundheitswesen (Suppl. 1) 70: S. 8-12
Koletzko B, Brönstrup A, Cremer M et al (2010) Säuglingsernährung und Ernährung der stillenden Mutter. Monatsschrift Kinderheilkunde (Sonderdruck) S 2-11
Abdruck honorarfrei. Belegexemplar erbeten.
Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ verfolgt das Ziel, werdenden Eltern und jungen Familien alltagsnahe und fundierte Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil zu vermitteln. Ernährungserziehung und -bildung sollte so früh wie möglich beginnen, um den aktuellen Trend der Fehlernährung, Übergewicht und Allergien zu stoppen bzw. im besten Falle umzukehren. Die Handlungsempfehlungen basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und werden von einschlägigen Fachgesellschaften, Institutionen und Verbänden inhaltlich unterstützt. Gleichzeitig sind diese auch die Grundlage aller zentralen Botschaften des bundesweiten Kommunikationsnetzwerks, so dass möglichst viele junge Eltern – auch aus bildungsfernen Schichten – einheitliche Auskünfte rund um die Ernährung in Schwangerschaft, Stillzeit und im Kleinkindalter erhalten. Kontakt aid infodienstErnährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V. Geschäftsstelle: Gesund ins Leben - Netzwerk Junge Familie Petra Hottenroth Heilsbachstraße 16 53123 Bonn Tel.: 0228 8499-114 Fax.: 0228 8499-177 E-Mail: post@gesund-ins-leben.de Internet: www.gesund-ins-leben.de www.aid.de |


